Gin Tonic ist gesund !

Es ist und bleibt dabei: unabhänig von Freitag- und Samstagabenden, Gin Tonic ist gut für die Gesundheit! Vor allem auf Reisen…

Neulich liefen einem doch wieder die Patienten über den Weg, die weder Chemoprophylaxe geschluckt noch eine Malaria-standby-Medikation im Koffer parat hatten, dafür aber ihr Unwesen in den von der WHO dunkelrot markierten Gebiete Afrikas trieben. „Stimmt es, dass Tonic vor Malaria schützt?“ …vielleicht ist es ja auch der Gin gewesen! Unsere Leber bedankt sich an dieser Stelle bei England und seiner Kolonialsucht, die die Armee der British East India Company im 17. Jahrhundert nach Indien schickte, um sich dort in vorbildhafter Pfadfindermanier umzusehen. Das chininhaltige Tonicwater schien die gemeine Anophelesmücke fern zu halten und somit vor Malaria zu schützen. Also schmierte sich das Bleichgesicht den Tonic auf Haut und Haar und bekam einen sagenhaften Hautausschlag. Das Tonicwater lag nämlich nicht in der heutigen Kindergartenversion vor, sondern enthielt erheblich mehr Chinin. Die bittere Chininbombe wurde schmackhafter gemacht, indem Gin beigemischt wurde. Am Ende stellte sich ein Mischungsverhältnis aus Gin, Tonic, Sacrotan und Babyöl von 6:3:1:5 als hautverträglichste Variante heraus. Ob erst Haut- und Haartinktur erschien oder doch das Getränk bleibt zugegebenermaßen noch unklar – interessant wäre jedoch zu wissen, wie es vom einem zum anderen kam 😉

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Warum ein winglet?

Ein gescheites Papierflugzeug ist die Königsdisziplin eines jeden Physikunterrichts … oder auch Deutsch, Geschichte etc. Der letzte entscheidende Schliff wurde stets an den Flügeln vollzogen – ein sorgfältiger Knick nach oben! Hier hat es die NASA Forschung bis ins Klassenzimmer geschafft! Auch bei der großen Mutter aus Metall ist es nicht anders. Sitzt man am Fenster in der Mitte eines Flugzeugs, bei der die Sitze bereits durchgesessen sind und das Tablett krampfhaft versucht in seiner Halterung zu bleiben, streichen die Flügel unverändert spitz über den Himmel. Erst bei Fliegern der 80er und 90er Jahre gibt es den eleganten Knick nach oben – das winglet! Warum?!

Auch wenn Flügel durch ihre Form ein Druckverhältnis erzeugen, das für Auftrieb sorgt, so ensteht ein energiezehrender Wirbel an den Spitzen der Flügel. Manchmal sieht man es sogar bei Start und Landung durch den langgezogenen Staubwirbel den die Flügelspitzen hinter sich herziehen. Angetrieben durch die Ölkrise, fand die NASA Mitte der 70er Jahre heraus, dass ein nach oben gerichteter Knick diesen Vortex minimiert und die dadurch entstandene Entschleunigung um 20% reduziert wird. Seitdem konnte durch diese banale Änderung 7% Kerosin eingespart werden – das kommt dann auch mal hochgerechnet auf mehrere Millionen Tonnen UNverbranntes Kerosin: Mutter Erde freut sich, unser Gehör freut sich über weniger Schub, und der Papierflieger gleitet erheblich weiter, ja, sogar bis zum vorderen Ende des Klassenraums.

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Warum läuft der Regenbogen vor mir weg?

Man kennt es, man läuft und läuft, man fährt und fährt, man fliegt und fliegt, aber der Regenbogen kommt einfach nicht näher. Warum?! Die Frage lässt sich mit einer einfachen Zahl beantworten: 41!

Regenbogen entstehen dadurch, dass sich das Sonnenlicht in den vielen fast kugelförmigen Regentropfen spiegelt und einer wellenlängenabhängigen Brechung unterliegt, welches den Spektralfarben ähnelt. Die Sonne muss dafür im Rücken stehen, die Regenwand vor einem. Das menschliche Auge kann dieses Phänomen jedoch einzig und allein dann sehen, wenn der Winkel zwischen Sonne, Tropfen und Auge ca. 41 Grad beträgt! Da dieser Winkel schließlich beibehalten werden muss, wandert der Regenbogen mit dem Bewunderer mit. Und wer schonmal einen Regenbogen aus dem Flugzeug oder von der Spitze eines Bergs gesehen hat, wird merken, dass der Regenbogen kein Bogen ist – sondern ein Kreis!

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Warum ist Ketchup thixotrop?

Kinder stehen auf Süßigkeiten. Kinder stehen auch auf Ketchup. Das hängt leider nicht mit den Tomaten zusammen – sonst bekäme die Bloody Marry schließlich mehr Liebhaber – sondern mit den Unmengen Zucker, die darin vermengt sind. Bleibt die rote Flasche länger stehen wird die Flüssigkeit zäh und kommt kaum aus der Flasche. Schüttelt man kurz, ist das Ganze wieder flüssig – wie aus Zauberhand. Warum? Es werden beim Schütteln keine Phasen vermengt wie bei Essig und Öl. Es liegt am besagten Zucker. Die Zuckermoleküle bilden mit der Zeit eine Gitternetzstruktur aus, welche Wassermoleküle gefangen halten. Der Ketchup erstarrt förmlich. Durch die rein mechanische Kraft des Schüttelns wird das Zuckergerüst gebrochen, das Wasser tritt frei und sorgt für genug Schmiere im Ketchup. Diese physikalische Eigenschaft trägt den zuckersüßen Namen Thixotropie. Auch bei Streichfarben macht man sich die Thixotropie zunutze: beim Bepinseln von Wohnungswänden nach dem Auszug wegen erneuter Mieterhöhung bleibt die Farbe flüssig durch die ständige Bewegung am Pinsel. Legt sich die Farbe sich auf der Wand nieder, so kullert sie nicht die Wand herunter, sondern wird relativ zügig fest und erfreut den Blick des nächsten Mieters.

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Nebenwirkungen der gängigsten Chemotherapeutika

Wer schon mal in der Hämatoonkologie gearbeitet hat, verteilt Chemotherapeutika am laufenden Band und kippt somit literweise Gift in den menschlichen Organismus. Auch wenn Chemotherapien Krebs bremsen, reduzieren und manchmal sogar heilen können, sind die Nebenwirkungen ein großes Leid. Alle Chemotherapien sorgen zumindest ein wenig für Myelotoxizität, gastrointestinale Beschwerden und Alopezie. Daher sind hier die gängigsten Nebenwirkungen und Besonderheiten aufgeführt. Hervorgehobene Eigenschaften („!“) sind besonders zu beachten, weil sie sehr häufig auftreten.

Cisplatin Übelkeit(!)Myelotox Nephrotox(!)Neurotox

Ototox

Carboplatin Myelotox(!)Übelkeit weniger Nephrotox
Methotrexat Mukositis Nephrotox(!)Hepatotox
5-Fluoruracil Mykositis (Diarrhoe) Hand-Fuß-SyndromKonjunktivitis
Capecitabin Mukositis Hand-Fuß-Syndrom
Gemcitabin Myelotox (schnell einlaufen lassen!)
Taxane Myelotox(!)Alopezie

Übelkeit

Hypersensivität, Neurotox, Exanthem/Nagelveränderung, Kardiotoxizität (Paclitaxel), Ödeme (Docetaxel)
Cyclophosphamid MyelotoxÜbelkeit hämorrhagische Zystitis
Melphalan Myelotox (später Nadir!)
Vincristin Praktisch keine Alopezie Neurotox
Vinorelbin Myelotox Neurotox
Etoposid Myelotox(!)Alopezie (!)
Anthrazykline (Doxorubicin) Myelotox(!)Alopezie (!)

Übelkeit

Kardiotox (kummulativ)
Irinotecan Diarrhoe(!)Alopezie

Myelotox


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Warum haben Zebras ihre Streifen?

Ja, warum eigentlich…?! Man könnte sich denken, dass die Konturen eines Zebras in der sengenden flimmernden Hitze Afrikas verschwimmen. Das stimmt auch und ist recht eindrücklich, wenn man es mit eigenen Augen sieht. Nichtsdestotrotz ist des Löwen sportliches Hobby Zebras zu reißen und die Streifung bietet keinen richtigen Selektionsvorteil. Sogar an Thermoregulation wurde mal gedacht. Aber da muss mehr sein. Schuld ist die fiese Tsetsefliege, Überträgerin des Parasiten Trypanosomas, welcher mit der Art Glossina palpalis die bekannte tötliche Schlafkrankheit bei Menschen verursacht und mit Glossina morsitans die verwandte Naganaseuche bei Pferden. Letztere, zu deren Gattung auch das Zebra gehört, wurden von der Naganaseuche dahingerafft. Tiere mit Streifung jedoch machten dem Facettenaugen der Tsetsefliege schwer zu schaffen! Das komplett gestreifte Zebra wurde im Vergleich zu nicht oder nur teilweise gestreiften Tieren erheblich weniger gestochen und überlebte so die Wanderung durch das tropische gürtelförmige Endemiegebiet der Tsetsefliege. Im Süden Afrikas angekommen, wo die Tsetsefliege ihr Unwesen nicht mehr treibt, bietet die Streifung keinen Selektionsvorteil mehr, sieht aber dafür ziemlich lustig aus.

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Blutdruckeinstellung. Eine kleiner Ausflug.

Ich glaube, es gibt kaum ein medizinisches Thema, wo mein Gehirn so oft spontan in den standy-by Modus gerutscht ist wie bei dem Thema „Blutdruckeinstellung“. Aber irgendwie ist das ja das kleine 1×1 der Medizin. Und es hat schlichtweg erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit. Wir wagen mal einen kleinen Ausflug.

Die alte Meinung: the lower, the better. Zonk!! Nein. Denn irgendwann reicht die Diastole nicht mehr aus, um die Koronarien ausreichend zu perfundieren und es kommt zu kardialen Ereignissen. Stichwort: J-formed Curve. Die Anzahl kardialer Ereignisse sinkt mit der Erniedrigung des Blutdrucks. Doch irgendwann wird’s wieder schlechter: die Kurve geht wieder J-förmig nach oben. Dieses J gibt es jedoch nicht bei zerebralen Ereignissen: hier gilt wahrhaftig: the lower, the better. Unsere Nieren, die Granzien, fangen wiederum an zu mucken, wenn man ihnen nicht mehr genügend Mitteldruck anbietet. Auch hier eine Art J-förmige Kurve. 135/85 mmHg soll angestrebt werden. Patienten mit Proteinurie scheinen allerdings von rascher und intensiver Blutdrucksenkung zu profitieren. In Zahlen: 130/80 mmHg. Das ist teilweise sehr ambitioniert! ACE-Hemmer zeigten einen eindeutig nephroprotektiven Effekt bei der Wahl von Antihypertensiva. Eine doppelte RAAS-Blockade wiederum (sprich mit einem zusätzlichen AT1-Blocker) scheint schädlich zu sein. Patientin mit komplexer Nierenerkrankung und ggf. intensiver Proteinurie mögen trotzdem von genau dieser Kombination profitieren, sodass die RAAS-Doppelblockade eine knifflige Entscheidung ist. Übrigens, wenn wir dann schon einen ACE-Hemmer genommen haben, so lohnt es sich ihn in Kombination mit einem Kalziumantagonisten anzuwenden: hier finden wir eine deutliche Renoprotektion im Vergleich zur einer ACE-Hemmer/HCT Kombination.

Und nun das Fazit in Zahlen: wir zielen 130-135/80-85 mmHg an.

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BiPAP und BIPAP

Schreibfehler? Neee. Das soll nur zur allgemeinen Verwirrung beitragen, da die unterschiedlichen Beamtungsmodi einfach noch zu unkompliziert sind. Hierbei geht es um einen kleinen Kindergartenkrieg zwischen den Firmen Respironics und Dräger. Respironics hat den Biphasic Positive Airway Pressure patentieren lassen. Das in Europa (Gruppe von Baum und Benzer 1989) entwickelte Beatmungsverfahren ist kurzgefasst eine Erweiterung des Contineous Positive Airway Pressure (CPAP) und umfasst das gesamte Spektrum der kontrollierte Beamtung aber auch der Spontanatmung. Neben minimalen vernachlässigbaren Unterschieden ist BIPAP von Dräger das gleiche wie BiPAP. Daher hat sich BIPAP als Standardverfahren auf den Intensivstationen etabliert.

Dennoch gibt es ein kleines gallisches Dorf in Berlin, was sich davon wieder distanziert hat – sozusagen Widerstand gegen Rom leistet – und SIMV anstatt BIPAP einsetzt. Warum? Auch wenn sich im BIPAP Spitzendrück besser kontrollieren lassen als im SIMV, so hat der interne Vergleich der letzten Jahre gezeigt (Studien sind mir unbekannt), dass Patienten im BIPAP höheren mittleren Atemwegsdrücken (Paw) ausgesetzt sind als im volumenkontrollierten SIMV, wobei das Ausmaß des Paw für Barotraumen ausschlaggebender ist als (kurzzeitige) hohe Spitzendrücke.

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Warum ist Zwiebeln schneiden eine so rührende Angelegenheit?

Ja sicher, alle kennen die Antwort darauf schon: es hängt mit irgendwelchen Stoffen in der Zwiebel zusammen. Doch was passiert denn genau? Die äußeren Zwiebelzellen sind vollgepackt mit der Aminosäure Alliin. Abgeschottete Kompartimente innerhalb der gleichen Zelle sind bestückt mit der Alliinase, sprich einem Enzym, was einen Teil des Moleküls Alliin abschnipselt. Sobald das scharfe Küchenmesser die Zellen und ihre Bestandteile zerstört kommt die Alliinase mit Alliin in Kontakt und es entsteht das reaktionsfreudige Allicin. In einer Reaktion mit Wasser und Luft steigt schließlich Propanthialsulfoxid in die Luft auf und reizt unsere Augen auf unangenehme Art und Weise … Taucherbrillen sollen sehr hilfreich sein. Bei Knoblauch ist es nicht anders. Es ist eine harmlose Knolle – wenn man sie in Ruhe lässt! Insekten oder Maulwürfe wissen das bereits und machen einen großen Bogen um das Gemüse. Auch Bakterien sehen beim Zerdrücken einer Knolle ganz schnell sehr alt aus. Unserem Körper macht es nichts aus – außer dass man nach einiger Zeit anfängt aus dem Mund aufs gemeinste zu riechen. Allicin gelangt in unsere Blutbahn und wird in der Lunge von SAM erwischt. SAM ist schon wieder ein Enzym und erzeugt aus dem in der Zwischenzeit entstanden Allylmercaptan das wunderbar duftende Allylmethylsulfid, das mit jedem Atemzug aus dem Blut in die Ausatemluft tritt und seine menschliche Umgebung beglückt. Nun ja, was ich ja eigentlich die ganze Zeit sagen möchte: wenn man für seine bessere Hälfte ein genüssliches Mahl zubereitet, dann scheint die Chemie zu stimmen 😉

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Warum habe ich heute so einen Muskelkater?

Sport. Wäre hätte es gedacht?! Unsere Muskeln bestehen aus vielen kleinen Fasern. Eine Faser, die zum Beispiel von der Schulter zum Ellenbogen geht, besteht nicht nur aus einer Zelle, sondern aus abertausenden. Eine Muskelzelle (auch Sarkomer genannt) ist mit der nächsten über eine sogenannte Z-Scheibe verbunden. Durch Dehnung – v.a. Abbremsen – kommt es zu Mikrotraumen und die Z-Scheiben zerreißen regelrecht. Wasser dringt in die Zellen, die Zellen schwellen an, und man hat den selbstheuchlerischen Effekt von dicken Muskeln nach dem Training. Verschiedenste Stoffe treten aus der kaputten Zelle heraus und geraten mit Nerven in Kontakt, denen das nicht gefällt und Schmerzen verursachen: Muskelkater! Aber warum eigentlich Kater? Das griechische Wort Katarrh steht für den unwohlen Zustand einer Alkoholintoxikation. Vor vielen Jahrzehnten nannten Studenten den Zustand nach ihren Saufabenden schließlich nicht mehr Katarrh sondern scherzhafterweise Kater! Santé!

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